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Wahres Mitgefühl ist immer stark

Der erste Tag im Neuen Jahr, wunderbar! Das Leben geht weiter, darüber bin ich wirklich froh.

Ich lese die Nachrichten auf meinem Mobiltelefon, ich stoße auf den Artikel von Kardinal Schönborn. Er macht sich Sorgen um das Mitgefühl der Menschen in Österreich. In diesem Artikel nimmt er Bezug auf die verrohende Sprache in den Sozialen Medien. Soweit ich das erkennen konnte nimmt er auch Bezug auf die Sprache der Politik, die im Wesentlichen durch ihre politische Ausrichtung Grundrechte und „Bedürftigkeit“ der Menschen in ein schwieriges Licht rückt.

Dieser Artikel hat einen Impuls in mir geweckt.

Die Frage, die sich mir stellt ist: wissen wir überhaupt noch was „Mitgefühl“ bedeutet? Was Mitgefühl eigentlich wirklich ist? Warum fällt es uns schwer eine mitfühlende Gesellschaft zu sein? Ist es wahr, dass dieses „Mitgefühl“ fehlt? An wen richtet sich der Apell zu mehr Mitgefühl von Kardinal Schönborn wirklich?

Die “Verrohung” der Sprache in den sozialen Medien fand ihren Höhepunkt im Jahr 2015, das Jahr der Flüchtlingswelle, die über Europa herein brach. Ich stelle einen Zusammenhang mit der öffentlichen Berichterstattung, der Postings verschiedener Parteien und deren AnhängerInnen und der Angst der Menschen vor Veränderung, fest.

Die Veränderung unserer Gesellschaft, der „Umgang“ mit dem so viel diskutierten „Fremden“, erfordert eine neue, sachliche und reflektierte Sichtweise.

Eine weitere Erklärung für mich ist, dass der Fortschritt und die politische Entwicklung, die unsere Gesellschaft derzeit erlebt viel zu schnell passiert.

Wir kommen nicht nach.

Für Reflexion gibt es zu wenig Zeit, es erwartet uns schon der nächste Sprung. Eine witzige, aber passende Bemerkung meiner Professorin war:


„Der Mensch braucht ein Update“

Wir leben sehr stark nach „Außen“ gerichtet, dabei wäre es so wichtig einmal vor unserer eigenen Haustüre zu kehren. Freundlich ausgedrückt: eine „Innenschau“ täte uns gut.

Die Grundlage Mitgefühl zu entwickeln bzw. sich diesem Gefühl wieder anzunähern, erfordert ein gewisses Maß an Selbsterkenntnis. Die notwendige Konsequenz auf diesem Weg:


Verbinde dich mit dir selbst.

Genau darum geht es. Wenn wir uns wieder „spüren“, dann kommt es zu einer Verbindung mit unserem Körper, mit unserer Wahrnehmung.

Mitgefühl ist ein Gefühl, das aus dem Herzen kommt. Sich mit dem Herzen zu verbinden, bedeutet lebendig zu sein.


Um im „Außen“ Mitgefühl zu entwickeln, benötigen wir zuerst eine „Herzensverbindung“ zu uns selbst.

Menschen, die sich mit diesen Themen regelmäßig auseinandersetzen, weil sie zB. einer motivierten Zivilgesellschaft, einer Religionsgemeinschaft oder einer Berufsgruppe angehören, die Mitgefühl voraussetzt, wissen wahrscheinlich worum es geht.

Aber, was ist mit den anderen, von denen wir uns wünschen würden, dass sie Mitgefühl zeigen?

Was kann ich persönlich tun, um Mitgefühl zu kultivieren?

Ich lebe Mitgefühl.

Dazu folge ich dem Ruf meines Herzen, so märchenhaft das auch klingen mag.

Mitgefühl erfordert, die Qualität unseres Herzens zu spüren, uns selbst wahrzunehmen.

Körperlich, geistig und emotional.

Die persönliche Entwicklung zu Mitgefühl führt zum „Selbstmitgefühl“ im Sinne von Selbstliebe.


„Selbstliebe heißt, dass man sich selbst in das Energiefeld der Liebe einbezieht, die man für andere empfindet – nicht mehr und nicht weniger, (Christopher Germer, Der achtsame Weg zum Selbstmitgefühlt, 2017)

Man kann sich das vorstellen, wie bei den Sicherheitsanweisungen im Flugzeug. Zuerst setzten wir uns selbst die Sauerstoffmasken auf, dann helfen wir den anderen.

Allerdings sind wir durch unseren Lebensstil, der sich stark an der Außenwelt orientiert, oftmals nicht in der Lage gut für uns selbst zu sorgen. Aus verschiedenen Gründen.

Eine mögliche Definition von Mitgefühl schreibt Christopher Germer:

„Wenn Liebe auf Leiden trifft, kann sie zu Mitgefühl oder Mitleid werden. Mitgefühl (engl. empathy) ist wie ein Spiegel in unserem Inneren, der alles widerspiegeln kann, was ein anderer Mensch fühlt….“

Damit ist gemeint, dass wir nicht mitleiden müssen, um mitfühlend zu sein. Es weckt in uns den Wunsch, der andere möge ohne Leiden sein. Ein Mensch mit Mitgefühl fühlt sich mit den anderen Menschen verbunden. „Wir denken nicht nur an uns selbst, sondern auch an das Wohl aller anderen empfindenden Wesen“, (Dalai Lama, Dem Leben einen Sinn geben, 2018)

Das ist ein Versuch, die Schwierigkeit darzustellen, Mitgefühl „gesellschaftsfähig“ zu machen. Es wird für mich deutlich, dass jeder persönlich dafür verantwortlich ist, wie wichtig uns Mitgefühl auf den verschiedenen Ebenen in unserem Leben ist, wie wir es in unserer unmittelbaren Gemeinschaft integrieren. Im Alltag bedeutet das für mich, bewußt zu handeln und meine Handlungen ab und zu zu hinterfragen und daraus zu lernen, den “Autopilot” abzuschalten und Verantwortung zu übernehmen.

Mitgefühl ist ein wichtiger Aspekt für ein zivilisiertes Leben und für eine gesunde Demokratie. Es wird klar, dass es sowohl auf gesellschaftspolitischer, auf kirchlicher und auf der menschlichen Ebene noch sehr viel zu lernen gibt.

Die gute Nachricht dazu: Mitgefühl ist kultivierbar und erlernbar! Hier findest du Termine und Workshops zu diesem Thema.

Wahres Mitgefühl ist immer stark und die wahrhaft Starken sind voller Zärtlichkeit“, (Krishnamurti)

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